Ratgeber
Akku über den Winter einlagern: Ladestand, Ort und die Kontrolle dazwischen

Kurz gesagt: Lagern Sie den Akku bei etwa der Hälfte bis sechzig Prozent Ladestand, trocken, bei Zimmertemperatur oder etwas darunter, und prüfen Sie ihn alle sechs bis acht Wochen. Vollgeladen oder leer eingelagert altert er deutlich schneller – ein tiefentladener Akku übersteht den Winter im Zweifel gar nicht.
Warum der Ladestand so wichtig ist
Eine Lithium-Ionen-Zelle altert nicht nur durch Nutzung, sondern auch durch Zeit – und zwar umso schneller, je höher ihre Spannung ist. Bei voller Ladung stehen die Elektroden unter maximaler chemischer Spannung, und die Nebenreaktionen, die Kapazität kosten, laufen am schnellsten ab.
Am unteren Ende droht die andere Gefahr. Jeder Akku hat eine Selbstentladung, und das BMS selbst zieht ebenfalls einen kleinen Ruhestrom. Ein Akku, der mit zehn Prozent eingelagert wird, kann nach vier Monaten unterhalb der Schutzgrenze liegen. Ab da lässt er sich nicht mehr laden – nicht, weil er defekt ist, sondern weil das BMS ihn sperrt.
Der richtige Ort
Trocken ist wichtiger als kalt. Eine unbeheizte Garage mit schwankender Luftfeuchte ist schlechter als ein Kellerraum mit konstantem Klima. Kondenswasser, das sich beim Temperaturwechsel im Gehäuse niederschlägt, greift Kontakte und Elektronik an – und dieser Schaden zeigt sich erst im Frühjahr.
Ideal sind zehn bis zwanzig Grad. Deutlich kälter schadet dem Akku im Ruhezustand kaum, macht aber das Laden unmöglich, solange er nicht wieder auf Temperatur ist. Deutlich wärmer beschleunigt die Alterung spürbar. Der Platz neben der Heizung ist die schlechteste Wahl im ganzen Haus.
Die Einlagerung Schritt für Schritt
- Reinigen. Gehäuse und Kontakte trocken abwischen, Salz und Schmutz entfernen.
- Auf Lagerstand bringen. Voll laden und ein Stück abfahren oder von unten auf etwa die Hälfte laden.
- Aus dem Fahrzeug nehmen, wenn er entnehmbar ist – im Fahrzeug zieht die Elektronik weiter Ruhestrom.
- Nicht auf Beton stellen, sondern auf Holz oder Karton, damit Bodenkälte und Feuchte nicht direkt anliegen.
- Termin notieren. Kontrolle in sechs bis acht Wochen, sonst wird sie vergessen.
Die Kontrolle dazwischen
Bei der Kontrolle geht es nur um eines: Ist der Ladestand unter etwa dreißig Prozent gefallen? Dann laden Sie ihn wieder auf die Hälfte und stellen ihn zurück. Ein vollständiger Ladezyklus ist dabei weder nötig noch sinnvoll.
Prüfen Sie zugleich das Gehäuse auf Verformungen und die Kontakte auf Korrosion oder grünliche Beläge. Beides sind Warnzeichen, die im Frühjahr zu einer bösen Überraschung führen – und im Winter noch in Ruhe zu klären sind.
Fahrzeug und Akku zusammen einlagern
Wenn Sie ohnehin das ganze Fahrzeug einmotten, gehört mehr dazu als der Akku. Reifendruck erhöhen oder das Fahrzeug aufbocken, damit die Reifen keine Standplatten bekommen. Kette reinigen und großzügig konservieren – ein trocken eingelagerter Antrieb rostet über den Winter zuverlässig an.
Bremsflüssigkeit und Kühlflächen bleiben unberührt, aber ein Blick auf den Zustand lohnt: Was im Herbst auffällt, lässt sich in Ruhe bestellen, statt im ersten warmen Wochenende festzustellen, dass ein Teil vier Wochen Lieferzeit hat.
Wenn der Akku nicht entnehmbar ist
Bei fest verbauten Akkus muss das Fahrzeug dorthin, wo der Akku stehen soll – also möglichst in einen trockenen Raum mit stabiler Temperatur. Ist das nicht möglich, ist die Kontrolle wichtiger als sonst: Bei kalter Lagerung sinkt die Spannung stärker ab, und der Weg zur Tiefentladung ist kürzer.
Der Start in die neue Saison
Nehmen Sie den Akku einen Tag vor der ersten Ausfahrt aus dem Lager und lassen Sie ihn auf Raumtemperatur kommen, bevor Sie laden. Ein kalter Akku nimmt Ladung nur widerwillig an, und das BMS begrenzt in dem Fall völlig zu Recht.
Laden Sie dann einmal vollständig und lassen Sie das Gerät nach dem Ladeende noch eine Weile angesteckt, damit das BMS balancieren kann. Wenn die Reichweite danach spürbar unter dem Vorjahr liegt, hilft Akkudefekt erkennen bei der Einordnung. Zum Fahren in der kalten Jahreszeit siehe Im Winter fahren, zur laufenden Pflege Akkupflege.